Das Dolly-Parton-Prinzip

Liebe Macherin
Diese Woche ist Dolly Parton gestorben, mit 80 Jahren. Und ich möchte ihr ein paar Zeilen widmen, weil sie für mich eine der grössten Macherinnen war, die es je gab. Auch wenn viele, gerade hier in Europa, sie lange unterschätzt haben.
Man sah die blonde Perücke, die glitzernden Strasssteine, die grosse Oberweite und dachte: Sexsymbol, Kitsch, nicht ernst zu nehmen. Sie wusste das. Und statt sich zu ändern, machte sie den Witz selbst: «It costs a lot of money to look this cheap» – es kostet eine Menge Geld, so billig auszusehen. Sie sagte auch: «Ich sehe aus wie eine Frau, aber ich denke wie ein Mann. Und in dieser Geschäftswelt hat mir das sehr geholfen.» Hinter dem Glitzer sass eine der cleversten Geschäftsfrauen der Musikgeschichte.
Der beste Beweis: Als Elvis Presley ihren Song «I Will Always Love You» aufnehmen wollte, war alles bereit. Doch am Abend vorher rief sein Manager an und verlangte die Hälfte der Verlagsrechte: Elvis nehme nichts auf, ohne dass sein Team die Hälfte bekomme.
Dolly sagte Nein. Es brach ihr das Herz, sie weinte die ganze Nacht, aber sie behielt ihre Rechte. Die Chance war genial, aber die Konditionen nicht. Zwanzig Jahre später machte Whitney Houston den Song zum Welthit, und Dolly verdiente ein Vermögen. Weil sie im entscheidenden Moment nicht eingeknickt war.
Sie kam aus dem Nichts: aufgewachsen in einer Hütte in den Bergen von Tennessee, als eines von zwölf Kindern. Sie arbeitete sich von ganz unten nach ganz oben, verkaufte über 100 Millionen Alben und spendete Millionen, unter anderem für ein Programm, das Kindern Bücher schenkt.
Und trotz allem blieb sie sich treu. Sie änderte ihren Look nie, ihre Art nie, ihren Humor nie. Sie liess sich nicht kleinreden von denen, die sie für zu bunt, zu laut, zu kitschig hielten.
Eines ihrer Videos hat mich besonders berührt. Sie erklärt darin den Unterschied zwischen einem Wunsch und einem Traum: «Ein Wunsch verliert sich im Nichts. Ein Traum ist etwas, das du konkret angehst und verwirklichst.»
Und jetzt kommt der Grund, warum ich dir das erzähle.
Ich höre gerade so oft: «Ich bin doch noch kein Crack, es ist noch zu früh, ich hab nichts/nicht genug zu sagen.», wenn es um unserem Podcast geht. Und ich sage dir: Es geht nicht darum, der grösste Crack zu sein. Es geht darum, du selbst zu sein.
Ein Podcast lebt genau davon, dass du deine eigene Art zeigst. Auch wenn sie schräg ist. Auch wenn sie für manche zu viel ist, zu leise, zu bunt. Es ist deine Art, deine Persönlichkeit und genau dies berührt die Menschen. Genau das schafft Nähe. Dolly hat nie versucht, jemand anderes zu sein. Und genau deshalb lieben sie Millionen.
Das ist das Dolly-Parton-Prinzip: Bleib dir treu. Der Rest kommt.
Danke, Dolly, für all die Jahre, in denen du uns gezeigt hast, wie viel Kraft darin liegt, ganz man selbst zu sein. Ruhe in Frieden.
In diesem Sinne eine treue Woche!
Herzlich Milena
Wenn du deine Geschichte auf deine Art erzählen möchtest: In unserem Podcast «MACHERINNEN Backstage» geben wir Frauen eine authentische Bühne. Reinschauen und deinen Platz oder erst ein Gespräch mit mir sichern: https://brilliant-sopapillas-c47165.netlify.app/
Quellen: NPR, CNN und Variety (Nachrufe, 25./26. August 2026); American Songwriter und Hollywood Reporter (Elvis/„I Will Always Love You"); Fox News (Interviews zum Stil).
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Der Podcast «MACHERINNEN Backstage»
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