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Katie Zacharia - in 14 Minuten alles verloren

vor 7 Tagen
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 15 Stunden

Foto: Natali Ximich/Shutterstock
Foto: Natali Ximich/Shutterstock


Das Mädchen hinter dem Rednerpult


Liebe Macherin


2011 schloss Katie Zacharia ihr Jurastudium an der Pepperdine-Universität ab. Vierzehn Jahre später steht sie am meistbeachteten Rednerpult der Welt als neue Pressesprecherin des Weissen Hauses, und liefert ein 14-minütiges Debüt ab, das die halbe Welt seither seziert.


Die Fakten:

Sie hat die Anwaltsprüfung nicht bestanden, nannte das Ergebnis selbst «somewhat inconsequential», und auf die Frage, in welchem Staat sie die Prüfung denn bestanden habe, antwortete sie mehrmals nur: «Ich bin nach China gezogen.» Trump hatte sie als «Anwältin» angekündigt. Eine Zulassung dazu existiert nicht.


Soweit die Schlagzeilen. Mich beschäftigt etwas anderes.


Ich sehe eine Frau, die über Jahre alles richtig machen wollte (4 Kinder innerhalb von 6 Jahren, Vorzeigefamilie, Awältin sein, Karriere machen, ect.), und in wenigen Minuten vor laufenden Kameras alles verloren hat.


Wer je falsch vorbereitet vor Publikum gestanden ist, kennt diesen Moment: Das Blut rauscht, der Kopf leert sich, die Aufgabe, die man eben noch beherrschte, ist wie weggewischt. Das ist kein Beweis für Dummheit. Das ist ein Mensch im Ausnahmezustand.

 

Und die Reaktionen? «Doofe Blondine.» «Vielleicht sollte man lesen können.» Comédiennes stellen sie stotternd nach, wieder und wieder. Auffällig dabei: Es sind erstaunlich viele Frauen, die hier austeilen. Männer kommentieren die Sache meist nüchtern – «der Auftritt ist nicht geglückt» –, während die schärfsten Spottpfeile von unserer eigenen Seite kommen.


Keine Stimme, die sagt: Seht ihr nicht, dass da gerade jemand durch ein kleines Inferno geht?


Niemand muss gutheissen, was Katie Zacharia versäumt hat. Sich besser vorzubereiten, zu wissen, für wen und in welchem Moment man spricht und wofür man steht – das wäre ihre Verantwortung gewesen.


DOCH bemerkenswert ist, worauf sich die Empörung am Ende stürzt: nicht auf das misslungene Auftreten, sondern auf die Lüge, Anwältin zu sein, ohne es zu sein. Sie wird zur Betrügerin abgestempelt.


Darüber gibt es übrigens eine ganze Serie – «Suits», die auf Netflix zum Hit wurde. Dort lieben wir den Hochstapler Mike Ross, der sich ohne Jurastudium als Harvard-Anwalt ausgibt. Hier, in der Realität, wird Katie Zacharia dafür zerrissen.


Was Katie passiert ist, ist kein Skandal.


Es ist ein Hilfeschrei.


Und er sollte uns wachrütteln. Wenn Frauen sich über Jahre bemühen, gut zu sein, angepasst, tadellos – und am Ende sogar meinen, sie müssten ihre Biografie mit Titeln «aufpolieren», bis es zu so einer Explosion wie Katies Auftrittsdesaster kommt, die alles zum Einsturz bringt, dann ist das ein Alarmzeichen dafür, wie weit die Entwertung von Frauen fortgeschritten ist.


Bei uns läuft das anders.

In unserem Podcast «MACHERINNEN Backstage» legt keine Frau ein solches Debakel hin, weil wir vorher miteinander sprechen, alles in Ruhe vorbereiten und darauf achten, dass die Geschichten fundiert sind.


Wir zeigen Frauen in ihrer Grösse, nicht in ihrer Verzweiflung.

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Milena Thöni


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